Mittwoch 24.06.2026
Mit gepackten Koffern gings mittwochs für uns los zu einer neuen Fototour, unser Ziel das Niederhorn in den Emmentaler Alpen des Berner Oberlands.
Bereits auf der Hinfahrt hatten wir bei einer kurzen Pause am Thunersee die Möglichkeit einen Haubentaucher beim Fischen zu beobachten, ein kurzes `Pong ´und mein erstes analoges Foto war in der Kamera.
Nach einer kleinen Stärkung hieß es Fotorucksack und Koffer aus dem Auto und rein in die Bergbahn, die uns zum Berhaus Niederhorn bringen sollte. Bei unserer Ankunft ernteten wir erst mal verdutze Blicke eines Angestellten mit der Frage „wi lang bliebed dir de, e wuche?“ 😀 Unsere Antwort… „ne vier Tage :D“. Warum er so erstaunt über die Menge unseres Gepäcks war, stellte sich später in einem Gespräch mit Susi, die auch zum Fotografieren am Berg war heraus… Die meisten Besucher bleiben nur für eine Übernachtung und er dachte wir hätten so viel Zeug für eine Nacht dabei :D.
Nach dem Beziehen unseres Zimmers setzten wir uns für eine kleine Pause und zum Genießen eines Gipfelbiers auf die Anhöhe beim Berghaus. Endlich konnten wir den wunderschönen Blick auf die noch schneebedeckten von Eiger, Mönch und Jungfrau richtig genießen.
Bevor es zu einer ersten Tour losging, gabs noch eine kleine Stärkung in Form von Rösti und Älplermakkaroni mit Apfelmus, zwei traditionelle Gerichte der schweizer Küche.
Auf dem Weg Richtung Steilhänge, hatten wir bereits nach wenigen Metern das Glück unsere ersten drei Steinböcke zu sehen, für mich die ersten wilden Steinböcke überhaupt. Wie beschreibt man so eine Begegnung, wenn es nur ein paar Worte sein sollen? Erstaunen und Dankbarkeit sind wohl die treffendsten. Nach ein wenig beobachten, mussten natürlich auch die ersten Fotos in den Kasten, denn was man hat, das hat man!
Weiter gings für uns zu einem Platz an dem man eine gute Sicht auf den Steilhang, aber auch ein paar Felsbrocken für ein gutes Foto als Vordergrund hat, jetzt hieß es erstmal warten… aber nicht besonders lange, eine Steingeiß kam gemütlich fressend den Hang hinauf und stellte sich perfekt vor uns in die Steinwand. Für mich unglaublich, die Steingeiß war so entspannt, dass ich aus einer wirklich kurzen Distanz ein Foto mit der analogen Kamera machen konnte und das trotz des doch sehr lauten Auslösegeräuschs.
Glücklich ein paar erste Fotos gemacht zu haben, gings zurück zum Berghaus, wo eine Überraschung auf uns wartete. Eine Gruppe aus ca. 7 Steinböcken grasten direkt auf der Wiese vorm Hotel im wunderschönen Abendrot. Also haben wir auch hier nochmal ein paar Momente einfangen können und sind anschließend erschöpft aber glücklich ins Bett gefallen.
Donnerstag, 25.06.2026
Der Wecker klingelte um 4.30Uhr nach nem Kaffee – den ich wirklich nötig hatte, Zähne putzen und bissl Wasser ins Gesicht, gings los Richtung Berg.
Diese ganz besondere Zeit am Morgen, wenn sich der blaue Nachthimmel langsam in wunderschöne Rot-, Lila-, Orange- und Gelbtöne verfärbt, wenn langsam die einzelnen Bergebenen im Morgenlicht auftauchen – dann war das der perfekte Fotostart in diese Morgen! Nicht ganz! Denn auf einmal sehen wir ihn, ein junger Steinbock genau am Hang vor uns, wir suchten uns einen Platz in einer kleinen Senke, in der Hoffnung den Steinbock vor der Bergkulisse im warmen Morgenlicht auf ein Foto zu bekommen. Absolut richtig positioniert bekamen wir unser Wunschfoto und ich sogar noch eines von dieser unglaublich schönen Situation mit der analogen Kamera 🙂 Anschließend eine wohl verdiene Corny-Pause und wir machten uns auf den Rückweg, hier begegnete uns Susi noch einmal, eine Fotografin, der wir am Abend zuvor schon begegnet sind. Wir tauschten uns unterwegs und beim Frühstück über unsere Erfahrungen und Erlebnisse, ein wirklich sehr schönes Gespräch, mit vielen Lachern und herzlichen Momenten, nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns, da es für Susi wieder ins Tal gehen sollte und wir eine kleine Schlummerpause wirklich nötig hatten. Aufgrund des Wetters und da es auch am Berg ziemlich heiß war, entschieden wir uns den Mittag mit Bildbearbeitung und einem Snack im Restaurant zu verbringen. Kurz vor sechs gings dann aber wieder los, kurz noch ein Foto mit den Steinböcken vor der Haustür machen und weiter gings zu unserem Spot. Erstmal wieder etwas die Ruhe und den Ausblick genießen, bevor es für uns erstmal ein kleines Vesper gab, ein perfekter Platz zum Picknick, kann ich dir sagen!
Wir beobachteten eine Steingeiß, mit ihrem Jungen, dir fressend auf uns zukamen, als wir merkten, dass wir genau auf ihrem angestrebten Weg sitzen, zogen wir uns ein paar Meter zurück, was den beiden reichte um genau vor uns auf den Felsen stehen zu bleiben.
Wir hatten eine super Fotosession und schon nach diesen beiden Tagen kann ich sagen… Wie nah wollen Steinböcke eigentlich an uns rankommen? Ja, das 24-120mm Objektiv wäre gut gewesen, aber liegt daheim 😀
Freitag, 26.06.2026
Weckerklingeln um 3.45 Uhr, Kaffee, Katzenwäsche und los, unser Ziel für diesen Morgen, der Burgfeldstand, ca. 45 Minuten vom Niederhorn entfernt. Auch an unseren zweiten Morgen auf dem Berg durften wir einen wunderbaren Sonnenaufgang in toller Farbenpracht erleben. Als die ersten Sonnenstrahlen hinter einem Berg auftauchten, entdeckten wir eine kleine Gruppe Steinböcke, bestehend aus 7 Tieren, die sich durch die wunderschönen, pinken Alpenrosen den Berg hinauf fressen. Wir konnten ein paar Fotos der Tiere im Hang machen und hatten dann das Glück, eine der Steingeiße auf einem Grat, als Silhouette mit traumhafter Bergkulisse im Morgenlicht zu fotografieren. Nachdem wir auch an diesem Morgen wieder das Glück hatten, dass die Steinböcke einen Weg, sehr nah an uns vorbei wählten und wir gefühlt schon zur Familie gehörten, beobachteten wir die Gruppe noch bei ein paar spielerischen Kämpfen und machten uns nach unserer morgendlichen Corny-Pause auf den Rückweg. Beim weiteren Ausschauhalten entdeckten wir auf einem alleinstehenden Felsen eine weitere Gruppe, beim genaueren Hinsehen entdeckten wir neben den vier Erwachsenen Tieren auch vier Jungtiere, die wahrscheinlich ca. ein bis zwei Wochen alt waren. Leider war das Licht zu dieser Uhrzeit schon sehr hart, eignete sich somit nicht mehr wirklich zum Fotografieren und auch der Platz, an dem die Gruppe lag, war sogar für 800mm zu weit weg 😀 daher gabs nur ein paar Fotos zur Dokumentation, wir saßen einfach da genossen den Moment und beobachteten sie Szene.
Zurück am Berghaus gabs erstmal ein wohlverdientes Frühstück und einen kleinen Vormittagsschlaf. Ja, was sein muss, muss sein 😀 Den Nachmittag verbrachten wir wieder mit Bildersicherung und Bearbeitung auf der Terrasse und planten unseren Abend und den Fotospot. Nach längerer Überlegung beschlossen wir, dass wir mit dem Platz vom Vorabend doch sehr zufrieden waren und machten uns auf den Weg. Angekommen wurde erstmal die Ruhe, bzw. die Naturgeräusche und der Ausblick genossen, wir packten unser Picknick aus und plauderten über die teils eher unglaubwürdigen Begegnungen der letzten Tage. Ich biss gerade ein Stück von meinem Käse ab, schaute nach rechts und brachte nur ein „ach du meine sch***“ raus 😀 In diesem Moment realisierte ich nämlich, dass, meine Kamera mindestens einen Meter hinter mir lad und wir just in time von einer Steingeiß beim Essen beobachtet wurden. Ich versuchte so unauffällig und mit halb vollem Mund Sandra zu sagen, was ich sehe, bis sie es jedoch verstand, setzte sich die Geiß schon in Bewegung und spazierte uns immer im Blick gemütlich mit einem Abstand von ca. 1,5m vor uns vorbei, mitten in die pinken Alpenrosen. Na, was für ein Glück, dass mein 70-200 so ne geringe Naheinstellgrenze hat 😀
Nach ein paar Fotos aus einem eher nicht so tollen Winkel und weil ich vorher schon mehrfach sagte, ich hätte gerne ein Foto mit einem Steinbock in diesen wunderschönen Blumen, fragte ich Sandra, ob es für sie in Ordnung ist, dass ichs riskiere. Die Geiß war sehr entspannt am Fressen, ich bewegte mich erst einen Meter bergab in ihre Richtung, keine Reaktion auf mich. Dann einen weiteren Meter nach unten, sie bewegt sich zwei Schritte auf mich zu, ein Zeichen, dass sie sich nicht von mir gestört oder bedroht fühlt. Sie frisst einfach unbeirrt weiter, also wage ich nochmal einen Schritt, saß nun da in einer Fotoyogapose vom Feinsten. Die pinken Alpenrosen im Vordergrund, die Geiß im grünen Teppich und die Bergsilhouette als Hintergrund in deinem Dunst. Gefühlt saß ich ewig da, immer mal wieder hob sie den Kopf ich machte ein paar Fotos und sie frisst wieder unbeirrt weiter.
Für mich ein absolut magischer Moment, in dem man merkt, dass das Tier gegenüber einem sein Vertrauen schenkt. An diesen Abend werde ich ganz sicher für immer sehr dankbar zurückblicken!
Dann setzte sie sich langsam in Bewegung und steigt die letzten Felsen hinauf, das ist nun Sandras Moment, sie konnte ein paar Fotos machen, als die Steingeiß kurz auf dem Felsen stand. Ich habe mich, währenddessen im Hintergrund wieder aus der Senke bewegt, laufe gerade an Sandra vorbei, als sie zu mir sagt „Die mag dich, sie läuft dir hinterher“ 😀 und wirklich, ich sehe, wie die Geiß nur ca. zwei Meter Abstand zu mir hat und diesen noch verringert. Ich blieb stehen und wartete darauf, was sie macht. Sandra fragte mich zweimal, ob ich die analoge Kamera will…ich sagte nur „ne ich trau mich nicht mich zu bewegen :D, ich hab Angst, dass sie erschrickt. Mach du deine Fotos!“ Die Steingeiß lief mit einem Abstand von ca. einem Meter ganz gemütlich um mich herum und blieb genau vor unserem Picknick stehen, schaut sich das einmal genauer an und spaziert dann wieder den Hang hinab.
Ein paar wahnsinnig schöne Augenblicke, mit Gefühlen, die sich so tatsächlich nicht in Worte fassen lassen.
Samstag, 27.06.2026
Der letzte Wecker auf dieser Tour klingelte um 4.15 Uhr für uns. Das Ziel an diesem Morgen, ein Geröllfeld mit seitlichem Abgang, die Hoffnung auf die ganz jungen Steinböcke, den männlichen Steinbock oder den Gämsen, die wir am Vortag erspähen durften. Wieder durften wir einen traumhaften Sonnenaufgang mit traumhaftem Farbenspiel und dunstigem Licht erleben, wieder eine besondere Begegnung mit einer Steingeiß, die gemütlich auf dem Wanderweg an uns vorbei spazierte. Fotografisch war die Geiß oder auch ihr Standpunkt leider nicht ideal, zum Beobachten jedoch super. Für mich hieß es an diesem Morgen lieber ein paar Landschaftsmomente einfangen und natürlich wurde auch am letzten Morgen der jetzt schon traditionelle Corny gefrühstückt.
Auf dem Rückweg zum letzten Frühstück entdeckte Sandra noch ein Murmeltier, das wir eine Weile beobachteten, es aber leider zu weit weg für ein gutes Foto war.
Beim Frühstück hatten wir dann noch eine sehr an genehme Unterhaltung mit Michael, der ebenfalls zum Fotografieren am Niederhorn unterwegs war. Dann hieß es für uns leider auch schon wieder Koffer packen, ein paar Leckereien im schweizer Supermarkt besorgen und ab nach Hause.
Danke Sandra, für den super schönen immer von einem Lachen begleiteten Trip!
Equipment
Nikon Z6 III
Nikon Z6II
Nikkor 180-600mm f5.6-6.3 (meistens zu lang von der Brennweite)
Nikkor 70-200mm f2.8 (pefekt als immerdrauf)
Nikkor 17-28mm f2.8 (perfekt für weitwinklige Aufnahmen mit oder ohne Steinböcke)
Laptop, Festplatte mit Zubehör
Nikkor 105mm f1.8, Stativ von Siuri, Filter von Nisi waren mit dabei, hab ich allerdings nicht einmal benutzt.
Ich habe mich zu Hause entschieden das Nikkor 24-120mm f4.0 nicht mitzunehmen, das war definitiv die falsche Entscheidung 😀
Funfrage…
Warum haben Fotografen immer so viel Zeugs dabei? Richtig, man würde sich zu sehr ärgern etwas vergessen zu haben, also lieber bissl mehr schleppen als blöd dastehen 😀